Kinderwunsch

Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht eine Unfruchtbarkeit (lat. Infertilität), wenn in 1-jähriger Partnerschaft trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs und ohne offensichtliche organische Störungen der Partnerin keine Schwangerschaft eintritt. Sofern keine weiteren gesundheitlichen Störungen vorliegen, ist erst nach diesem Zeitraum bei Ausbleiben einer Schwangerschaft eine ärztliche Untersuchung beider Partner zu empfehlen.

Ursachen der Infertilität

Bei Paaren mit Infertilität sind in etwa 40% männliche und weibliche Faktoren vorhanden, in 25% der Fälle sind keine Ursachen zu finden. Voraussetzungen für die klinische Diagnose sind die eingeschränkte Zeugungs- bzw. Empfängnisfähigkeit (12 Monate unerfüllter Kinderwunsch) und normale Standarduntersuchungen (Spermiogramm, Tubendurchgängigkeitstest und Untersuchung der Ovulation). Ansprechpartner für die Partnerin sollte zunächst der Gynäkologe/-in, ggf. später ein Kinderwunschzentrum sein.

Die Ursachen der männlichen Unfruchtbarkeit können vielfältig sein. Von männlicher Seite ist ein ungestörter Ablauf der Spermienbildung im Hoden, ein intakter Spermientransport durch die Samenleiter und eine ungestörte sexuelle Funktion mit Erektion und Ejakulation notwendig um letztlich eine erfolgreiche Befruchtung einer Eizelle zu erreichen.

Ursachen für eine gestörte Spermienproduktion können bereits in der frühen Kindheit liegen. So kann z.B. ein sogenannter Hodenhochstand zu einer dauerhaften Schädigung der Spermienreifung führen, wenn die Hoden nicht während der Entwicklung in den Hodensack hinab gewandert sind, sondern im Bauchraum oder in den Leisten verblieben sind. Bei der kinderärztlichen Vorsorge wird hierauf heute ein besonderes Augenmerk gelegt. Um eine unabänderliche Schädigung der Spermienproduktion zu vermeiden sollte daher frühzeitig eine Therapie erfolgen. Diese kann zunächst eine Hormonbehandlung beinhalten, jedoch wird oft eine operative Lagekorrektur notwendig.

Bei Erwachsenen Männer findet sich gelegentlich eine „Krampfader“ unmittelbar am Hoden (Varikozele). Hierbei ist meistens der linke Hoden betroffen. Sollte eine solche Varikozele Beschwerden verursachen, oder eine Einschränkung der Spermienqualität vorliegen, kann die Indikation zu einer operativen Behandlung gestellt werden. Hierbei ist nicht unbedingt eine vollständige Normalisierung der Spermienqualität zu erwarten. Ob eine operative Therapie indiziert ist und erfolgen kann, sollte im einzelnen Fall vom Facharzt beurteilt werden.

Weitere Ursachen für eine Unfruchtbarkeit beim Mann sind Hodeninfektionen, unterentwickelte Hoden, hormonelle Störungen, Mumps in der Kindheit, Hodentumore, Hodenverletzungen (z.B. durch Operation bei Leistenbruch), Prostataentzündung, Harnröhrenentzündung, Drogenmissbrauch/ Rauchen, Stress, Medikamente, Störungen des Immunsystems, Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen oder Alter

Diagnostik

  • Beurteilung der äußeren Geschlechtsorgane (Unterentwicklung, Krampfadern, Fehlbildung und andere Veränderungen von Penis und Hoden)
  • Abtastung von Hoden und Nebenhoden
  • Abtastung der Prostata und Bläschendrüsen durch den Enddarm
  • Untersuchung der Samenzellen (sog. Spermiogramm)
  • Hormonuntersuchungen (FSH, LH, Testosteron und anderes)
  • gegebenenfalls Hodenbiopsie (Gewebeprobe aus dem Hoden)
  • gegebenenfalls genetische Untersuchung

Im Falle einer Azoospermie, das heißt wenn keine Samenzellen im Ejakulat zu finden sind, muss eine Gewebeprobe aus dem Hoden (TESE) durchgeführt werden, um einzelne Spermien für eine künstliche Befruchtung bewahren zu können. Die Gewebeentnahme aus dem Hoden erfolgt in unserer Klinik. Dieser Eingriff wird in aller Regel ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführt. Sollten die Hormonwerte unauffällig sein, ist vor der Hodengewebeentnahme eine humangenetische Beratung und Abklärung zu empfehlen.

Seit 2011 nehmen wir als urologische Klinik an den Ringversuchen der QuaDeGA teil. Die Bun­desärztekam­mer hat die Qual­itätssicherung der Ejaku­la­t­analyse in die Richtlin­ien (RiLiBÄK) zur Durch­führung von Laborun­ter­suchun­gen aufgenom­men und QuaDeGA als Ref­eren­zin­sti­tu­tion anerkannt. Seit dem 1.1.2011 ist jedes Labor, das Ejaku­latun­ter­suchun­gen durch­führt, zur Teil­nahme an einer exter­nen Qual­ität­skon­trolle verpflichtet. Seit 2011 nehmen wir erfolgreich teil.

Wir verfügen über ein andrologisches Labor mit modernstem Equipment und untersuchen ca. 250 Ejakulatproben pro Jahr.

Im Rahmen des unerfüllten Kinderwunsches kooperieren wir eng mit dem Kinderwunschzentrum der Frauenklinik der Uniklinik Köln. Hier erfolgt die ausführliche Beratung bezüglich der einzelnen Verfahren der künstlichen Befruchtung.

Nach oben scrollen