Diagnostik des Prostatakarzinoms

Von entscheidender Wichtigkeit für die Therapieentscheidung ist sowohl die Einschätzung des Tumorstadiums als auch die Einschätzung der biologischen Aggressivität des Prostatakarzinoms. Diagnostisch kommen die rektale Untersuchung, die Histologie der Stanzbiopsie, Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren zum Einsatz.

Klinisches Staging des Prostatakarzinoms

Die DRU, die PSA-Konzentration und der Differenzierungsgrad nach Gleason besitzen jeder für sich eine gute Korrelation mit dem pathologischen Tumorstadium. Für den einzelnen Tumorpatienten ist diese Vorhersagegenauigkeit jedoch zu gering. Mit der Kombination kann jedoch das klinische Risiko (Prostatakarzinom-Mortalität) gut eingeschätzt werden. Mit der zusätzlichen Beachtung der Tumorlast in der Stanzbiopsie wird die Vorhersagegenauigkeit noch besser. Das Kattan-Nomogramm verwendet ebenfalls die Kombination von lokalem Tumorstadium, PSA-Konzentration und Gleason-Summe

Tumormarker PCA3

PCA3 (prostate cancer antigen 3) ist im Urin nachweisbar. Erste Studien weisen auf eine bessere Sensitivität und Spezifität des PCA3 für die Detektion des Prostatakarzinoms bei Männern mit erhöhtem PSA hin. Weiterhin könnte PCA3 eine Rolle in zukünftigen Therapiealgorithmen spielen, da das Tumorvolumen sehr gut vorhergesagt werden kann (Auprich u.a., 2011).

Bildgebende Verfahren

Knochenszintigramm

Das Knochenszintigramm dient als Screeningmethode für Knochenmetastasen des Prostatakarzinoms mit relativ hoher Sensitivität, aber geringer Spezifität. Verdächtige Herde müssen mit Röntgenuntersuchungen, CT, MRT oder Knochenbiopsie bestätigt werden.

Computertomographie (CT)

Bei einem Prostatakarzinom mit einem PSA unter 20 ng/ml und einer Gleason-Summe unter 7 sind sehr selten pathologische Befunde zu erwarten. Die Aussagekraft vergrößerter Lymphknoten ist unspezifisch, eine CT ist eine Option als Staging-Untersuchung vor kurativer Therapie, insbesondere in Kombination mit einer PET (siehe nächster Abschnitt).

PSMA-PET-CT

Mit über 65.000 Neuerkrankungen im Jahr ist Prostatakrebs in Deutschland die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern. Da die Beschwerden vom Patienten oft erst spät bemerkt werden, haben sich zum Zeitpunkt der Diagnose häufig bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet. Jetzt gibt es im Zusammenhang mit einem speziellen Eiweiß, dem Prostata-Spezifischen Membran-Antigen (PSMA) in der nuklearmedizinischen Diagnostik und Therapie von Prostatakrebs hoffnungsvolle neue Optionen. Die leicht radioaktive Substanz markiert so die Krebszellen des Tumors. In der Positronen-Emissions-Tomographie (PSMA-PET-CT) können sie dann sehr deutlich dargestellt werden. Eine qualitativ hochwertige Bildgebung ist besonders wichtig in der Rezidiv-Diagnostik, denn hier wird überprüft, ob ein Tumor nach einer Behandlung wieder anfängt zu wachsen. Die PSMA-Spürsubstanz scheint nach derzeitigem Kenntnisstand auch gegenüber älteren PET-Spürsubstanzen, den Tracern, eine höhere Nachweisempfindlichkeit aufzuweisen.

Behandlung in der Klinik für Nuklearmedizin

Multiparametrische MRT des Prostatakarzinoms

Die mp-MRT der Prostata erlaubt eine sehr gute Auflösung des Organs mit verlässlicher Darstellung aggressiver Prostatakarzinome. Sie besteht aus mehreren Untersuchungssequenzen und wird in einem starken Magnetfeld von 3 oder 1,5 Tesla durchgeführt. Für die Untersuchung wird ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt, so dass ein Venenzugang notwendig ist. Wesentliche Kontraindikationen sind lediglich Implantate an sensiblen Organen (Hirnschrittmacher, Herzschrittmacher oder ähnliches). Gelenk- oder Zahnersatz ist kein Problem für die Untersuchung. Im Falle einer Unverträglichkeit gegen Gadolinum (Kontrastmittel) kann die Untersuchung auch ohne Kontrastmittel erfolgen.

Die Befundung erfolgt durch die Kollegen der Radiologie im Hause. Diese Untersuchung stellt für viele weitere Verfahren eine wichtige Voraussetzung dar (siehe nächster Abschnitt).

BiopSee® MRT-gestützte Prostatastanzbiopsie

Der Verdacht auf ein Prostatakarzinom ergibt sich meist durch einen erhöhten PSA-Wert und/oder eine Verhärtung beim Abtasten. Die Diagnose ist aber erst durch eine Gewebeprobe (Biopsie) zu stellen. Diese Biopsie bestätigt hierbei nicht nur die Verdachtsdiagnose Prostatakrebs, sondern ist auch Grundlage für die weitere Planung der Behandlung, die z.B. aus Aktiver Überwachung (Active Surveillance), externer Bestrahlung, Ultraschallbehandlung (HIFU) oder einer Operation bestehen kann. Entscheidend ist, dass durch die Prostatastanzbiopsie eine optimale Information über den Zustand der Prostata gewonnen wird. Als erste Klinik in der Region führt die Urologie der Uniklinik Köln die MRT-gestützte stereotaktische Prostatabiopsie.

In einem ersten Schritt wird in der Radiologie der Uniklinik Köln eine sogenannte BiopSee®
Multiparametrische Magnetresonanztomografische Untersuchung (mpMRT) der Prostata durchgeführt. Bei dieser Untersuchung werden Tumor-verdächtige Bezirke dargestellt und markiert. MRT und Ultraschall-Daten stehen dem Urologen während der Biopsie in Echtzeit zur Verfügung.

Darüber hinaus erfasst das BiopSee® System exakt den Entnahmeort jeder einzelnen Gewebeprobe in allen 3 Dimensionen (stereotaktische Biopsie). So kann im Anschluss an die Biopsie jedem Krebsbefund sein exakter Ort und seine Aggressivität zugeordnet werden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für fokale Therapiekonzepte, bei denen nicht die ganze Prostata, sondern nur der Tumor in der Prostata behandelt werden soll. Im Falle eines persistierenden Tumorverdachts kann in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Radiologie eine Biopsie dieses Befundes im MRT-Gerät erfolgen.

Weiterführende Informationen: MRT-gesteuerte Stanzbiopsie der Prostata.

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