Fokale Therapie bei lokal begrenztem Prostatakrebs

HIFU Methode (Focal One)

Fokale Therapien stellen eine minimalinvasive Behandlungsmöglichkeit bei lokal begrenztem Prostatakrebs dar, da sie gezielt die Tumorbereiche therapieren und dabei das umliegende gesunde Gewebe weitgehend erhalten.

Foto: Uniklinik Köln

Was ist fokale Therapie?

Foto: Uniklinik Köln
Foto: Uniklinik Köln

Die fokale Therapie stellt eine schonende, minimalinvasive Behandlungsoption für Männer mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom dar.  

Dabei wird

  • präzise und millimetergenau nur der tumorbefallene Bereich innerhalb der Prostata behandelt.
  • das umliegende und gesunde Gewebe bleibt erhalten.
  • die Behandlung erfolgt ohne Schnitt, ohne Bestrahlung und ohne Implantate.

Diese Methode ermöglicht eine effektive Tumorentfernung bei gleichzeitigem Erhalt wesentlicher Funktionen, wie Kontinenz und Potenz.

Die fokale Therapie ist eine vielversprechende Therapiemöglichkeit neben der radikalen Prostataentfernung (Radikale Prostatektomie) und aktiver Überwachung (Active Surveillance, kurz AS).

Woher weiß ich, ob mein Prostatakarzinom für eine fokale Therapie geeignet ist?

Das gewählte Therapieverfahren hängt grundsätzlich von verschiedenen Faktoren ab. Ihr behandelnder Arzt kann nach einer eingehenden Untersuchung und Bewertung Ihrer individuellen Situation abschätzen, ob eine fokale Therapie für Sie infrage kommt. Ein wichtiger Schritt ist eine vorangegangene qualitativ hochwertige Diagnostik.

Weitere Informationen

Was ist HIFU?
Hochintensiv fokussierte Ultraschallwellen am Fokuspunkt. Grafik: Focal One.
Hochintensiv fokussierte Ultraschallwellen am Fokuspunkt. Grafik: Focal One.

Die HIFU-Therapie (Hoch Intensiver Fokussierter Ultraschall) ist eine moderne, minimalinvasive Behandlungsmethode bei Prostatakrebs. Sie gehört zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Verfahren für die präzise Behandlung einzelner, lokal begrenzter Tumoren in der Prostata. Die Wirksamkeit und Sicherheit von HIFU ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt, was diese Methode zu einer sehr effektiven und zugleich schonenden Behandlungsoption macht.

Während der HIFU-Therapie fokussiert ein speziell dafür entwickeltes Ultraschallgerät energiereiche Ultraschallwellen gezielt auf den zuvor festgelegten Bereich der Prostata. Die gebündelten Ultraschallwellen erzeugen im Gewebe einen mechanischen Effekt (Kavitation) und hohe Temperaturen, die das Tumorgewebe gezielt zerstören, während das umliegende Gewebe geschont wird.

Was versteht man unter Kavitation?

Im Fokuspunkt der Ultraschallwellen entstehen kleine Gas- oder Dampfblasen, die schnell wachsen und wieder zusammenfallen, dieser Vorgang wird als Kavitation bezeichnet. Beim raschen Zusammenfallen entladen sich diese Bläschen mit großer Kraft, wodurch die Zellen in direkter Umgebung zerstört werden. Zusätzlich entsteht durch die applizierte Energie Wärme, die die kranken Tumorzellen zusätzlich schädigt. So werden die Tumorzellen gezielt und präzise in einem vorher genau festgelegten Bereich zerstört. Das umliegende Gewebe wird geschont, zusätzlich wird mittels eines speziellen Kühlsystems die Darmwand geschützt.

Wie läuft eine HIFU-Behandlung ab?

Therapieablauf

Der Eingriff wird meist unter Vollnarkose oder Teilnarkose durchgeführt und dauert etwa 60-80 Minuten, abhängig vom Umfang des zu behandelnden Bereichs.

Während der Behandlung liegt der Patient in Seitenlage. Die Ultraschallsonde wird über den Enddarm eingeführt.

Nach detaillierter Planung des genau definierten Tumorareals (Zielgebiet) mithilfe verschiedener fusionierter bildgebender Verfahren, wie zum Beispiel Ultraschall, MRT und PSMA-PET/CT, beginnt die Behandlung.

Die Ultraschallsonde fokussiert die Ultraschallwellen präzise auf das zuvor vom Arzt eingezeichnete Areal in der Prostata. Die Behandlung erfolgt in mehreren kleinen Abschnitten robotisch assistiert. Der Arzt überwacht die Therapie während der Behandlung mit Hilfe eines Live-Ultraschallbildes. Die umliegenden gesunden Strukturen, insbesondere der Blasenschließmuskel und die Nerven, können während der Behandlung, weitgehend geschont werden.

Nach der Behandlung wird häufig ein Katheter eingelegt, der nach einigen Tagen bereits wieder entfernt werden kann.

Der Patient kann in der Regel bereits wenige Tage nach dem Eingriff die Klinik verlassen und profitiert von einer raschen Genesung. Eine anschließende Nachsorge umfasst regelmäßige Kontrolluntersuchungen, die den Erfolg der Therapie sicherstellen.

Nachsorge

Die HIFU-Therapie gilt als sicheres Verfahren mit hoher Verträglichkeit. Zur Kontrolle des Behandlungserfolgs wird empfohlen, den PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) alle drei Monate überprüfen zu lassen. Zusätzlich sollten sechs und zwölf Monate nach dem Eingriff ein MRT sowie eine Kontrollbiopsie durchgeführt werden. Diese Nachsorgeuntersuchungen können entweder bei uns in der Klinik oder bei Ihrem Urologen erfolgen. 

Für wen ist die HIFU-Behandlung geeignet?

Die HIFU-Therapie eignet sich für Patienten mit einem Prostatakarzinom im niedrigen bis mittleren Risikobereich, bei denen der Tumor auf bestimmte Bereiche der Prostata begrenzt ist. Die Risikobestimmung wird u.a. durch verschiedene Parameter festgelegt (Größe, Lage und Streuung des Tumors, Gleason-Score (Aggressivität)).

Die fokale HIFU-Behandlung kann auch für Patienten in Frage kommen, die sich während der aktiven Überwachung (AS) ein proaktiveres Vorgehen wünschen. Ohne dass die Prostata zwingend entfernet oder bestrahlt werden muss.

Die HIFU kann auch bei Patienten nach bereits erfolgter Erstbehandlung, zum Beispiel bei erneutem Auftreten eines Tumors nach Strahlentherapie oder anderen Therapieform, eingesetzt werden.

Welche Vorteile hat eine HIFU-Therapie?
  • Präzises, millimetergenaues Entfernen des Tumors
  • Keine Strahlung, kein Implantat
  • Kein Schnitt
  • Keine möglichen Infektionen oder Wundheilungsstörungen
  • Kaum Schmerzen
  • Kurzer Klinikaufenthalt von zwei bis drei Tagen
  • Reduziertes Risiko für Nebenwirkungen wie ungewolltem Harnverlust (Inkontinenz) oder Erektionsstörungen (Impotenz, erektile Dysfunktion)
  • Bestmöglicher Erhalt von Lebensqualität
  • In der Regel keine anschliessende Rehabilitation nötig
Wer übernimmt die Kosten für die Behandlung?

In Deutschland und in der Schweiz ist die HIFU-Therapie eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen.

Studien und Erfahrungswerte
Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c.--Heidenreich-Axel
Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Axel Heidenreich

Klinikdirektor, Leiter Uro-Onkologisches Zentrum

Privatsprechstunde und Zweitmeinung
Montag 08:00 - 13:00 Uhr
Diagnostik- und Therapiezentrum West (DTZ), Ebene 1, Raum 1.060